Eine effizientere Alternative für unzuverlässige Straßenadressen: Indische Post testet what3words | what3words
04/10/2018

Von Anne-Claire Blet, Leiterin Strategische Partnerschaften bei what3words

Als wir zur Malabar Hill Post in Mumbai kamen, hatten wir erstmal Probleme, überhaupt reinzukommen: Hunderte Pakete stapelten sich nicht nur entlang der Wand vom Fußboden bis an die Decke, sondern versperrten auch den Platz zwischen den Schaltern. Die Postmitarbeiter warfen uns entschuldigende Blicke zu, als wir uns zwischen den Stapeln durchdrückten und dabei versuchten, nichts umzuwerfen.

Der weltweite E-Commerce-Boom hat ohne Zweifel auch Indien erreicht. Die Kundenerwartungen sind hoch, und da immer mehr Direktlieferungen an die Haustür verlangen, läuft das Geschäft der Indischen Post so gut wie nie.

Allerdings haben die örtlichen Poststellen Probleme, mit der Kundennachfrage mitzuhalten. Pakete kommen schneller an, als sie ausgeliefert werden können. Das liegt vor allem daran, dass es in Indien keine standardisierten Adressen gibt. Die Formate variieren von Region zu Region; viele Straßen haben keine Namen und Gebäude oft keine Hausnummern. Wenn Empfänger und Orte so schwer zu lokalisieren sind, benötigen die Mitarbeiter der Post mehr Zeit für die Auslieferung, während sich gleichzeitig in den Postfilialen die Pakete türmen.

Die Indische Post hat unzureichende Adressen als wesentliches Hindernis für das schnelle Wachstum des Landes identifiziert und what3words eingeladen, Dreiwortadressen zur Verbesserung der Betriebsabläufe und des Services zu testen.

Über drei Wochen hinweg wurden mit den Mitarbeitern der Indischen Post rund um die Adressierung, das Sortieren von Post und die Auslieferung eine Reihe von Tests durchgeführt, um Dreiwortadressen mit Straßenadressen und anderen Methoden zur Lokalisierung von Orten zu vergleichen. Dafür haben wir mit einem achtköpfigen what3words-Team sechs Postfilialen in den indischen Bundesstaaten Maharashtra, Kerala und Odisha besucht. Insgesamt haben wir Lieferrouten von 2500 km in ländlichen Gegenden sowie Städten zurückgelegt, Einblicke in einige der weltweit größten Zentren für die manuelle Sortierung von Briefen und Paketen gewonnen und unsere OCR-Lösung (Optical Character Recognition) im Vergleich zu Postmitarbeitern mit mehr als 20 Jahren Erfahrung getestet.

Was ist eine Dreiwortadresse?

what3words ist das einfachste System für die präzise Beschreibung von Orten. Es hat die Welt in ein Netz von 3 m x 3 m Quadraten aufgeteilt und jedem eine Dreiwortadresse zugeteilt. ///benötigen.rangordnung.laichzeit ist beispielsweise die Dreiwortadresse für den Eingang zur Zentrale der Indischen Post in Delhi.

Das System steht in mehr als 40 Sprachen zur Verfügung, inklusive den sechs indischen Sprachen Hindi, Bengali, Tamil, Marathi, Telugu und Kannada. Damit können 750 Millionen Menschen in Indien Dreiwortadressen in ihrer Muttersprache nutzen.

what3words im Vergleich mit traditionellen Straßenadressen

Nachdem wir uns mit den Arbeitsprozessen innerhalb der Indischen Post vertraut gemacht hatten, haben wir eine Reihe von Tests durchgeführt, um die Effizienz von traditionellen Adressen mit Dreiwortadressen zu vergleichen. Dabei nutzten wir für jeden Test ähnliche Methodiken, um faire und einfach zu vergleichende Ergebnisse garantieren und fundierte Schlussfolgerungen ziehen zu können.


Finden und Einprägsamkeit von Dreiwortadressen

Wir haben in allen drei Bundesstaaten Menschen gebeten, ihre Dreiwortadresse mit der what3words-App zu finden. 87 % gaben an, dass es einfach war, ihre Dreiwortadresse zu finden, obwohl sie what3words noch nie zuvor genutzt hatten.

Wir haben dann die Einprägsamkeit von Dreiwortadressen mit der von alphanumerischen Systemen verglichen:

  • 86 % der Teilnehmer wählten die richtige Dreiwortadresse aus
  • Nur 67 % wählten die richtigen alphanumerischen Angaben aus
  • Erstaunliche 91 % meinten, dass es einfacher sei, eine Dreiwortadresse zu kommunizieren als eine auf alphanumerischen Angaben basierende Adresse

Wir haben uns auch angeschaut, wie eine manuelle Bereitstellung von Dreiwortadressen ablaufen könnte. In diesem Szenario würden die zuständigen Behörden indische Privathaushalte und Unternehmen besuchen, um ihnen ihre jeweiligen Adressen zu geben. Da Dreiwortadressen schon für die ganze Welt zugeteilt wurden und nur noch gefunden werden müssen, würden die Postmitarbeiter weniger als fünf Tage benötigen, um Indiens Bevölkerung mit der jeweils richtigen Dreiwortadresse zu versorgen. Im Vergleich zu anderen Systemen wäre what3words damit in der Implementierung schneller und kostengünstiger.

Postsortierung

Wir haben in den sechs genannten Postfilialen zudem die Effizienz und Genauigkeit der manuellen Postsortierung unter die Lupe genommen. Diese Methode wurde mit einem what3words-gestützten Verfahren verglichen, bei dem mit Dreiwortadressen versehene Post mit unserem OCR-Scanner für die automatische Zeichenerkennung bearbeitet wurde.

Für reguläre Post war die what3words-Lösung 9,6 % schneller als die traditionelle Sortiermethode. Post, die mit dem SpeedPost-Service der Indischen Post verschickt wird und die normalerweise mehrere Male sortiert werden muss, konnte mit einem einmaligen Sortiervorgang bearbeitet werden. So wurde der Prozess 13,4 % schneller.

Mit what3words verbesserte sich außerdem die Genauigkeit der manuellen Sortierung um
6.7 %. Mit einer Integration des Systems in automatische Sortiermaschinen würde die Indische Post daher problemlos absolute Sortiergenauigkeit erreichen.

Auslieferung

Wir haben Postboten bei ihren regulären Auslieferungstouren begleitet und die dafür benötigte Zeit sowie dabei zurückgelegte Strecke festgehalten. Dasselbe haben wir mit einem neuen Team gemacht, das Dreiwortadressen und eine spezielle, mit einem what3words-Algorithmus optimierte Route nutzte.

Die what3words-Auslieferungen waren 7,3 % schneller; die optimierte Route 10,8 % kürzer. Außerdem waren neue Postboten ohne Ortskenntnis mit what3words 31 % schneller und sparten 13 % an Strecke.

Das Potenzial von Dreiwortadressen für einen erheblich effizienteren und genaueren Postservice ist damit klar.

Die Mongolische Post hat aufgrund ihrer Partnerschaft mit what3words eine 15 % höhere Sortiergenauigkeit, spart bei jeder Auslieferung fast drei Minuten und die Anzahl der Auslieferungen, bei denen auf Anhieb die richtige Adresse gefunden wird, ist um 18 % gestiegen.

Auch über Postdienste hinaus verbessert what3words die Effizienz von Lieferservices. Das in Dubai ansässige Logistikunternehmen Aramex hat in Tests etabliert, dass Dreiwortadressen bei mehr als 100 Lieferungen den Zeitaufwand um 42 % reduzierten und die Fahrer damit eine um 22 % kürzere Gesamtstrecke zurücklegen. In London gelang es dem Lieferservice Quiqup, Lieferzeiten mit Dreiwortadressen um 30 % zu verringern.

Was bedeutet das für Postdienste?

Mit what3words können Postdienste mehr Menschen erreichen, einen besseren Service bieten, Umsätze generieren und grenzüberschreitende E-Commerce-Chancen ergreifen. Sie können zudem eine entscheidende Rolle für das Wachstum und die Digitalisierung ihrer Länder spielen, da das System die Entwicklung von wichtigen Tools für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung unterstützt. Dazu gehören landesweite Adressdatenbanken, Geoportale für die Bodenverwaltung und Services für Notfalldienste.

In Indien wurden wir nicht nur zu Experten im Frankieren, sondern konnten auch die Frustrationen der Postmitarbeiter mit schlechten Adressen nachfühlen und ziehen den Hut vor deren Entschlossenheit, Post auch bei noch so ungenauen Adressen an den richtigen Empfänger zu bringen. Unser Pilotprojekt wäre ohne ihre Bereitschaft sowie die der Indischen Post, uns 21 Tage lang für unsere Analysen Einblicke in ihre Arbeit zu gewähren, nicht möglich gewesen.